wir streichen die gewalt – narkotikum [IV]

Gewalt. Gewalt! Gewalt als einziger und letzter Versuch das verfluchte Leben um mich noch zu spüren. Schlag mich. Tritt mich. Sieh mich wenigstens an. Vernichte mich. Lass mich untergehen in deinem Hass. Lass mich von deiner Wut zerschmettert werden.
Ich sehe, was du fühlst. Ich spüre, was du denkst. Ich merke, was du willst. Doch ich gebe es dir nicht. Du willst mir nicht die Genugtuung geben, die ich haben will. Somit stehe ich auf, verlasse diese brennende Aura, die uns zu zerreißen droht und stehe nun einen halben Meter weiter am Kühlschrank.
- I escaped from Mexican prison.
- Ja, sagst du und spuckst mir zu Füßen.
Ich verfolge dies und setze mich und betrachte dich und hasse dich und genieße dich und rauche schließlich und denke nicht mehr dran. Und du steigst nun empor auf einen Thron, den nur wir kennen und sehen und hassen. Du hasst ihn auch und du bist dir trotzdem nicht zu fein. Doch, sieh es ist eine Falle deines Geistes.
- Eine Falle, schreie ich dich an und lache.
- Schwein, sagst du lustlos und läufst durch die Küche.
- Setz dich.
Ich bitte dich höflichst und du gehorchst. Für einen kurzen Augenblick glaube ich das. Doch Liebe ist auch nicht mehr das, was es einst war, also gehst du erneut durch diesen einen, engen Raum, der uns und unsere Beziehung symbolisiert und sagst mir wieder und wieder, dass du mich liebst und hasst und willst und wegstößt. Und ich glaube dir kein Wort. Keine Silbe. Nicht einmal einen Buchstaben kaufe ich dir ab. Du lügst. Bist Verrat und bitterste Enttäuschung und glaubst noch, dass alles anders sein kann. Und besser.
Nichts wird sich ändern und du weißt das.
- Du weißt das doch, oder?
- Ja, ich weiß das.
Breites Lächeln auf meinem Gesicht und Tränen in deinen Augen.
- Geh mir aus den Augen, flehst du.
Ich reagiere nicht. Fassungslos starrst du mich an. Willst nicht wahrhaben, dass ich Widerstand leiste. Wann, wenn nicht jetzt? Kann es einen besseren Zeitpunkt geben, dich zu negieren und zu penetrieren? Kannst du mich nicht endlich hassen und gehen lassen und vergessen und neu anfangen? So wie damals in diesem einen Sommer, als Gott noch ein Kind war und du so wunderschön? Als die Narzissen sich Mühe gaben zu gefallen, ebenso wie du dich bemühtest den Glanz in meinen Augen aufrecht zu erhalten, der schon damals nur ein milchiger Schein war?

Geh nun. Geh einfach.