Die Klarheit (III) – Final Scratch
So sitzen wir die vierte Minute hier. Und keiner spricht, weil jeder schweigt. Uns trennt eine Tischecke. Eine Tischecke, die unser ganzes Leben ist. Sie stellt unsere Beziehung dar. Unser Verhältnis ist hölzern. Angestoßen. Fleckig. Abgenutzt. Kleine Flächen weiß.
In der Mitte unserer Beziehung steht ein Aschenbecher. Randvoll mit Zigarettenstummeln. Ein Dutzend ich. Eine du. Ein Vorhang schließt unsere Beziehung ab. Grau vom Rauch. Und schwer von der Zeit.
- Wir müssen die Gardinen mal waschen.
Du reagierst nicht. Starrst die Kippen an. Zählst sie. Wieder und wieder. Du siehst deinen Lippenstift. Du beißt auf deine Unterlippe und diese Geste bringt die gesamte Anspannung dieser Situation so perfekt zum Ausdruck, dass es keine zum Zerreißen gespannte Luft benötigt um dem stillen Beobachter klar zu machen, was hier passiert. In diesem Moment. An diesem Tisch.
Ich möchte dir gegenüber sitzen. Ich möchte dich heimlich anstarren können. Ich möchte jede Regung in deinem Gesicht wahrnehmen. Ich möchte jedes bisschen Leben in deinem Scheißkörper sehen. Steh auf!
Als wir den Tisch kauften, war er schneeweiß. Ich habe gesagt, ich mag weiß. Du hast gesagt, du magst weiß. Ich habe gesagt es sei rein. Du hast gesagt, es sei friedlich.
Ein großer Kratzer ist am anderen Ende. Er ist Symbol für den Anfang. Dein Schweigen ist Zeugnis vom Ende.
Der Tisch steht still und schwer zwischen uns. Trägt Aschenbecher. Flecken. Kratzer. Meine Arme. Deine rechte Hand. Er ist genügsam. Er fordert nicht. Er protestiert nicht. Empfindet keine Leidenschaft. Keinen Schmerz. Keine Freude. Keinen Kummer. Nichts. Aber er ist hässlich geworden. Hat Glanz verloren. Und eine Schraube, des rechten hinteren Beines. Er wackelt nicht. Nein, keinesfalls. Du willst ihn trotzdem wegschmeißen. Steh auf! Steh auf und geh!
Du stehst auf und gehst. Ich bleibe sitzen und rauche.
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