“Meine Begeisterung klingt wie eine elektrische Zahnbürste” - Dissertation über dich
Du bist weg. Und ich bin hier. Und du wirst nicht wieder kommen. Und ich kann dir nicht hinterher. Und ich bin nun hier und bin wütend und sauer, dass du gegangen bist. Und ich trinke Kaffee und rauche. Und ich starre Löcher in die schwere Luft. Und bald auch schließe ich die Augen und du erscheinst und lässt mich nicht in Ruhe. Und ich bin wieder auf dem Sprung und werfe mit Eiern, so wie wir es einst taten, damals, als alles noch anders war. Anders und in Ordnung. Und als wir uns liebten in diesem einen Sommer. Auf den Wiesen der Stadt und am Flussufer. Und in den Clubs und unserer Küche. Diese unsere Küche, die heute so leer und einsam ist. Und dein Sohn liegt neben an und schläft und ich sitze hier und frage wo du bist und die bist nicht da. Und du wirst auch nicht wieder kommen. Und ich gehe zu ihm und sehe ihn an und versuche zu verstehen, warum alles so kam. Und ich finde doch keine Antwort, so wie ich auf nichts eine Antwort finde, was passiert ist und noch immer passiert. Es geschieht ohne meinen Willen. Ohne mein Zutun. Ohne meine Zustimmung. Ich nehme deinen Sohn aus dem Bett und halte ihn fest. Trage ihn durch die Wohnung. Spüre seine Wärme und seine zarte Haut. Er schläft mit dem Kopf an meiner Brust und manchmal seufzt er und ich sehe ihn an und streichle seinen Kopf. Er hat deine Haare. Und er ist mein Sohn. Jetzt ist er mein Sohn. Und deiner ist er gewesen. Es ist ein Abkommen zwischen uns gewesen und du hast es gebrochen. Du bist gegangen. Du hast dich nicht verabschiedet. Und du kamst auch nicht wieder. Und ich stand am Fenster und ich habe dich gesehen. Und ich habe geschrieen als das Auto kam und du hast dich umgedreht und hast nicht mehr gewunken. Er hat es nicht gesehen. Er saß auf meinem Arm und ich zeigte ihm wo du bist und sagte ihm er solle winken. Als das Auto dich erfasste flog ein Schwarm Vögel auf dem Dach gegenüber in die Luft empor und er verfolgte sie mit seinen strahlenden Augen, die er von dir hat. Und ich schrie. Und er fing an zu weinen und starrte mich an und ich rannte zur Tür und auf die Straße runter und setzte ihn mitten auf diese beschissene Kreuzung. Und ich rannte zu dir. Und schubste all die Menschen zur Seite, die auf dem Boden neben dir knieten und ich weinte und flehte dich an. Doch du hast mich nicht gehört. Du hast nur da gelegen und ich riss dich zu mir hoch und dein Kopf lag schwer in meinen Händen. Und er krabbelte auf der Kreuzung umher und Passanten kreischten und rannten zu ihm und eine Frau nahm ihn auf den Arm und ging ein Stück mit ihm und er weinte. Und ich weinte. Du weintest nicht. Du hattest die Augen aufgerissen und hast mich angestarrt. Und ich verfluchte dich und diesen Tag und diese Situation. Ich blickte in die Gesichter, die uns anstarrten und legte dich nieder und sprang auf und giftete alle an. Ich wollte, dass sie gehen und dass sie mich und dich und ihn allein lassen. Doch sie hörten nicht. Und die Sirenen kamen und nahmen mich von dir weg und trugen dich fort und mich und ihn. Und ich wurde zu ihm gebracht und man fuhr uns irgendwohin und dich fuhr man woanders hin. Und ich durfte dich nicht mehr sehen und man sagte mir, du hättest es nicht geschafft. Und ich fragte den Arzt, wie du es nicht schaffen konntest, wo du es doch nicht einmal versucht hattest. Und ich sah dich vor mir und wie du lachst. Und mich küsst. Und mich nun nie wieder in die Arme nehmen wirst. Und ich hasste dich dafür. Und man brachte mich zu ihm. Meinem Sohn. Deinem Sohn. Unserem Stolz. Und er schlief in einem Raum in einem Bett und eine Schwester saß bei ihm und ich nahm ihn zu mir an die Brust und er schlief, so wie er jetzt schläft. Und seufzt. Und nicht aufwacht, wenn ich ihn durch diese beschissen leere Wohnung trage. Und ich wünschte er wäre älter. Und ich hätte ihm alles bereits erklärt. Und er würde verstehen. Und verarbeitet haben. Und würde seinen Vater an der Hand nehmen. Und ihm sagen, dass alles gut ist. Und ich würde ihm glauben wollen. Und könnte endlich wieder atmen. Und ein Stein würde von mir fallen. Und mein Herz wäre ein wenig freier. Und ich würde dein Foto nehmen. Und ich würde es wieder hinstellen. Und lachen.
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