Die Klarheit (I)
Die Kraft einer orientierungslosen Schönheit ist es, was mich heute beschäftigt. Mich nicht mehr los lässt. Mich fesselt und ansaugt. Du fehlst mir. Und du fehlst mir auch. Ihr könntet unterschiedlicher nicht sein und doch habt ihr eins gemeinsam. Ihr seid nicht da.
Die Nacht der Nächte, deren Existenz allein schon ein Gräuel ist – eine Untat vor dem Herrn – macht mich lachen, ob ihrer kalten Klarheit. Es ist kalt draußen und der Stift liegt vor mir und will angespitzt werden, doch stattdessen passiert gar nichts mehr, denn nichts geht, außer einem Kaffee. Ach, ach, Berlin, ich liebe dich und du liebst mich und wir sind beieinander und uns treu.
Geh nicht weg, sagt sie zu mir und ich lasse sie allein und verschwinde auf nimmer Wiedersehen. Eine große Leere macht sich breit. Lang ersehnt und endlich da. Eiskalt. Traurig. Schwach blau. Und leer. Das ist es, was gut tut nachts, wenn der Himmel klar ist. Und wir damit wieder bei dieser Klarheit sind, die eine Nacht begleiten kann. Wir suchen nach dem Sinn, nehmen Platz und hören dem Schreiber zu. Wir lauschen seinen Worten, die er uns mitteilt.
Es war in Moskau, dieser eine Sommer. Wir kamen aus Shanghai und hatten aus einem unerfindlichen Grund, Zwischenstopp in Moskau. Und als wir nun zwei Stunden warteten, da überkam uns die Lust unseren Trieben freien Lauf zu lassen und somit dem Wahn zu verfallen, etwas kaufen zu müssen. Wir kauften den Flughafen leer. Resultat. Zwei Anzüge. Eine Tablette von Bayer. Fünf goldene Anhänger aus Damaskus und ein wenig Liebe. Letztere gabs umsonst dazu.
Es tut weh im Kopf, was hier vor sich geht und so stehen wir auf, verabschieden die Räumlichkeiten. Das Haus hinter uns lassend, schreiten wir vorwärts – eiligen Schrittes, jedoch nicht rennend – um auf der Brücke, die denn Fluss überquert und die Stadt in zwei Teile spaltet zu verweilen, hinab zu blicken und folgendes zu entdecken:
Das Ding im Fluss

„Übrig bleibt nichts, als ein Schatten und das mulmige Gefühl, die Klarheit sei schon vorbei.“
(Pete H. 2007)
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