Verlassen
Du sagst ich bin schwierig und ich glaube dir das und frage doch warum. Du schweigst. Und ich glaube dir auch das.
So sitzen wir also und trinken. Wir sitzen am Küchentisch, dessen Weiß dich schon immer gestört hat. Uns trennt ein Aschenbecher. Daran gelehnt. Eine Zigarette. Es ist meine und du sagst, du rauchst wieder mehr. Ich sage nichts und trinke. Weiterlesen
Über Sie
Würde mich heute jemand fragen, ob ich glücklich sei, so könnte ich mit strahlendem Herzen antworten: ja, ich bin glücklich.
Würde er weiter fragen: warum? Ich könnte antworten: weil ich angekommen bin.
Würde er ferner wieder nach dem Warum fragen. Ich würde ihm erläutern, was es bedeutet eine Vergangenheit zu haben, die nicht immer schön, so doch aber unglaublich wichtig war, um zu schätzen, was jetzt ist und sein wird.
Würde er wissen wollen, was jetzt ist und immer sein wird, würde ich sagen: sie.
Würde er gern näher erfahren, wen ich meine und warum, würde ich ihren Namen nennen und ausschweifend von ihr erzählen und von unserer Geschichte.
Würde er gern mehr erfahren, ich würde ihm von ihrer wundervollen Art mich zu verzaubern erzählen.
Würde er interessiert wissen wollen, was mich denn verzaubert, so würde ich freudig von ihrem Lachen erzählen. Und von dem Glanz in ihren Augen.
Würde er fragen: was noch, so würde ich ihm versuchen begreiflich zu machen, wie es sich anfühlt, wenn wir einander im Arm halten.
Würde er nicht verstehen, was ich meine, würde ich ausführen, wie sich ihre Haut anfühlt, wie ihre Küsse schmecken und wie ihre Hand in meiner liegt.
Würde er dann den Ansatz einer Ahnung haben, was sie mir bedeutet, so wäre ich zufrieden, dass ich einen Weg gefunden habe, mein Glück ansatzweise einem Fremden begreiflich zu machen.
Würde er sich anschließend verabschieden, um die Liebe zu suchen, würde ich sie anrufen, um ihre Stimme zu hören und damit wieder Bestätigung haben, endlich gefunden zu haben, wonach ich so lang suchte.
Kein Kommentarkoexistenz
(Ein Mann in weiß wirft Sand vor sich her, während er vorüber läuft)
Ich betrete den Strand an dem du stehst und stelle mich neben dich und sehe aufs Meer hinaus. Ich zünde eine Zigarette an und warte und wende meinen Blick nicht ab, vom bedeutungslosen Horizont.
Du drehst dich plötzlich zu mir, spuckst mich an und wartest. Meine Zigarette geht aus und ich betrachte weiter den wolkenverhangenen Horizont.
(Ein Mann in grau nimmt den Himmel mit und kehrt den Sand auf.)
Du setzt dich zu mir an den Tisch und blickst mich vorwurfsvoll von der Seite an. Dann greifst du nach meiner Schachtel Zigaretten, fingerst eine raus und entzündest sie zitternd. Mir wird schlecht von deinem Blick.
-Herrgott, schreie ich dich an, was willst du denn von mir?
Du stehst auf und sagst nichts. Weiterlesen
Die Klarheit (III) – Final Scratch
So sitzen wir die vierte Minute hier. Und keiner spricht, weil jeder schweigt. Uns trennt eine Tischecke. Eine Tischecke, die unser ganzes Leben ist. Sie stellt unsere Beziehung dar. Unser Verhältnis ist hölzern. Angestoßen. Fleckig. Abgenutzt. Kleine Flächen weiß.
In der Mitte unserer Beziehung steht ein Aschenbecher. Randvoll mit Zigarettenstummeln. Ein Dutzend ich. Eine du. Ein Vorhang schließt unsere Beziehung ab. Grau vom Rauch. Und schwer von der Zeit. Weiterlesen
Kein KommentarDie Klarheit (II)
An den Abenden, an denen wir nicht miteinander schlafen, sitzen wir in der Küche und schweigen. Ich rauche und du siehst mich an. Ich trinke und du siehst mich an. Ich frage dich, ob du auch möchtest und du trinkst mit. Langsamer als ich. Bedachter. Irgendwie.
Ich merke, wie du mich beobachtest und ich blicke dich nun an und frage dich, was du denkst und du sagst, dass ich schön sei und ich lache. Weiterlesen
wir streichen die gewalt - narkotikum [IV]
Gewalt. Gewalt! Gewalt als einziger und letzter Versuch das verfluchte Leben um mich noch zu spüren. Schlag mich. Tritt mich. Sieh mich wenigstens an. Vernichte mich. Lass mich untergehen in deinem Hass. Lass mich von deiner Wut zerschmettert werden.
Ich sehe, was du fühlst. Ich spüre, was du denkst. Ich merke, was du willst. Doch ich gebe es dir nicht. Du willst mir nicht die Genugtuung geben, die ich haben will. Somit stehe ich auf, verlasse diese brennende Aura, die uns zu zerreißen droht und stehe nun einen halben Meter weiter am Kühlschrank.
- I escaped from Mexican prison.
- Ja, sagst du und spuckst mir zu Füßen. Weiterlesen
“Meine Begeisterung klingt wie eine elektrische Zahnbürste” - Dissertation über dich
Du bist weg. Und ich bin hier. Und du wirst nicht wieder kommen. Und ich kann dir nicht hinterher. Und ich bin nun hier und bin wütend und sauer, dass du gegangen bist. Und ich trinke Kaffee und rauche. Und ich starre Löcher in die schwere Luft. Und bald auch schließe ich die Augen und du erscheinst und lässt mich nicht in Ruhe. Und ich bin wieder auf dem Sprung und werfe mit Eiern, so wie wir es einst taten, damals, als alles noch anders war. Anders und in Ordnung. Und als wir uns liebten in diesem einen Sommer. Auf den Wiesen der Stadt und am Flussufer. Und in den Clubs und unserer Küche. Diese unsere Küche, die heute so leer und einsam ist. Und dein Sohn liegt neben an und schläft und ich sitze hier und frage wo du bist und die bist nicht da. Und du wirst auch nicht wieder kommen. Und ich gehe zu ihm und sehe ihn an und versuche zu verstehen, warum alles so kam. Und ich finde doch keine Antwort, so wie ich auf nichts eine Antwort finde, was passiert ist und noch immer passiert. Weiterlesen
Die Klarheit (I)
Die Kraft einer orientierungslosen Schönheit ist es, was mich heute beschäftigt. Mich nicht mehr los lässt. Mich fesselt und ansaugt. Du fehlst mir. Und du fehlst mir auch. Ihr könntet unterschiedlicher nicht sein und doch habt ihr eins gemeinsam. Ihr seid nicht da.
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